Offene Schulung: Das Übergangsprogramm

Terminankündigung

Sonntag, 10. November um 13:00 Uhr in der StuVe
Leopoldstr. 15, Eingang Leopoldstraße; U3/U6 Giselastraße
Auf Facebook: Schulung zu Trotzkis Übergangsprogramm

Die revolutionäre Antwort auf die kapitalistische Krise: Das Übergangsprogramm von Leo Trotzki

In München und anderen Großstädten wird Wohnraum ein Luxus; es gibt gleichzeitig Obdachlosigkeit und Leerstand. Deutschland und die USA konkurrieren um das Recht, die Menschen auszuspionieren. Vor europäischen Grenzen ertrinken hunderte Non-Citizens; in Deutschland werden sie entrechtet. Die Verstrickung des Staatsapparats in die NSU-Morde bleibt ohne Folgen. Die Prekarisierung im Einzelhandel oder die geplante Schließung des Opel-Werks in Bochum bedrohen große Teile der Lohnabhängigen. Wie weltweit, gibt es auch in Deutschland Proteste gegen diese Zustände.

Aber das Bewusstsein der Protestierenden geht selten über Minimalforderungen hinaus, mit denen allein die objektive Lage nicht überwunden werden kann. Wie gehen Revolutionäre mit dieser Situation um? Antworten auf diese Frage gibt das Übergangsprogramm: Die historischen Kämpfe der Arbeiter*innenklasse und der Unterdrückten haben ein System von Erfahrungen und Forderungen hervorgebracht, welches Leo Trotzki 1938 in diesem Dokument synthetisierte. Es ist ein dynamisches Werkzeug, um die Überwindung der Probleme im Zeitalter des Imperialismus mit dem aktuellen Bewusstsein der Menschen in Einklang zu bringen

Wir wollen diskutieren, welche Schlüsse wir heute aus diesen lehrreichen Erfahrungen ziehen können. Zur offenen Schulung, die sich mit dieser Frage befasst, laden wir dich herzlich ein. Anmeldung nicht erforderlich. Der Text ist keine Teilnahmevoraussetzung, aber kostenlos erhältlich z.B. unter: http://trotzkismus.wordpress.com/2012/08/21/der-todeskampf-des-kapitalismus-und-die-aufgaben-der-iv-internationale-1/

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2 Gedanken zu “Offene Schulung: Das Übergangsprogramm

  1. Hallo AK Gewerkschaft:
    Der „Kapital“-Lesekreis, den wir gemeinsam abgehalten haben, war ja völlig umsonst! Das Werk von Karl Marx enthält bereits in den ersten Kapiteln eine Menge wissenschaftlichen Erklärungen der Zustände in der bürgerlichen Welt. Davon ist bei eurem Einladungstext zu einer „offenen Schulung“ aber rein gar nichts mehr zu merken. Ihr erinnert mit Schlagworten an Zustände, die heute und hierzulande viele Menschen ärgern, unzufrieden machen oder gar zu Protesten auf die Straße bringen:
    „In München und anderen Großstädten wird Wohnraum ein Lxus; es gibt gleichzeitig Obdachlosigkeit und Lehrstand. Deuschland und die USA konkurrieren um das Recht, die Menschen auszuspionieren. Voreuropäischen Grenzen ertrinken hunderte Non-Citizens; in Deutschland werden sieentrechtet. DieVerstrickung des Staatsapparats in die NSU-Morde bleibt ohne Folgen. Die Prekarisierung im Einzelhandel oder die geplante Schließung des Opel-Werks in Bochum bedrohen große Teile der Lohnabhängigen. Wie weltweit, gibt es auch in Deutschland Proteste gegen diese Zustände.“ (Einladungs-Flyer des AK Gewerkschaften zur Trotzki-Schulung, Nov. 2013, München)
    Wir, die wir mit euch einige Abende das „Kapital“ gelesen haben, wissen, dass ihr einige Erklärungen für diese Zustände habt. Das gibt uns Rätsel auf:
    Warum verwandelt ihr euer Wissen über den Kapitalismus in Fragen nach der Methode, wie man es gerne hätte, dass es wäre damit man machen könnte, was man gerne täte?
    Warum haltet ihr das Aufstellen von Plänen jetzt und heute für nötig, wie man es machen müsste, wenn man sich zur Führung der Massen aufstellen könnte, wenn die Massen so weit wären, die Revolution machen zu wollen?
    Ihr seid bereits fest davon überzeugt, dass eine nicht vorhandene Bewegung ein Programm braucht.Wir haben mal rein geschaut in
    „DasÜbergangsprogramm von Leo Trotzki“ (Titel des Einladungs-Flyer des AK Gewerkschaften zur Trotzki-Schulung, Nov. 2013, München)
    Daraus ein Zitat:
    „Minimalprogramm und Übergangsprogramm
    Die strategische Aufgabe der nächsten Periode – der vorrevolutionären Periode der Agitation, Propaganda und Organisation – besteht darin, den Widerspruch zwischen der Reife der objektiven Bedingungen der Revolution und der Unreife des Proletariats und seiner Vorhut (Verwirrung und Entmutigung der alten Generation, mangelnde Erfahrung der Jungen) zu überwinden.“
    Man soll sich selbst eine Aufgabe stellen, damit man mit den eigenen Zwecken vorankommt – ja, diesen Tipp bekommt man heutzutage auch von jedem Psychotherapeuten, wenn man sich in Behandlung begibt, weil am Leben verzweifelt. Aber „strategisch“ und in einer „nächsten Periode“? Da ist Interpretation gefordert: Vermutlich lest ihr heraus, dass vor jeder Revolution „Agitation, Propaganda und Organisation“ erforderlich ist. Ist das nicht gleichzeitig selbstredend? Ist das die Leistung Trotzkis, dass er lauter selbstverständliche Allgemeinplätze für Revolutionäre aneinanderreiht?
    Wer hat je von einer der wenigen welthistorischen Revolutionen gehört, wo vorher nicht eine Menge Leute dafür gewonnen werden konnten?
    Wer hat je von einer Revolution gehört, wo sich nicht eine Menge Leute das Anliegen, sich zu wehren, zueigen gemachten hätten?
    Wer hat je von einer Revolution gehört, wo sich nicht die Massen zu kämpferischen Organisationen zusammenschlossen hätten?!
    Das hat sich jeder schon gedacht, wenn er auf eure „Schulung“ kommen wird. Insofern stellt sich dann vermutlich beim Lesen des Trotzki-Textes ein erfreuliches „Aha!“ ein. Endlich sagt eine Autorität genau das, was ich mir schon gedacht habe – jetzt bin ich also Trozkist?!
    Aber warum steigen die Mieten und fallen die Löhne?
    Warum gibt es in München Obdachlosikeit und Leerstand?
    Warum spionieren Staaten sich wechselseitig und ihre Bürger aus? Wie passt das zur Freiheit der Meinung, die gleichzeitig garantiert ist? Und sagt jetzt bloß nicht, der Staat bricht das Grundgesetzt, das er gemacht hat.
    Warum produzieren die europäischen Staaten in anderen Regionen lauter Flucht-Gründe und dann sagt z.B. die bayrische Sozialministerin Müller (CSU) bei einem Besuch in einem Flüchtlingslager:
    „Asyl ist mir ein ganz wichtiges Thema …. (ich will) eine verantwortungsvolle Asylpolitik betreiben (und verspricht) mehr Geld für Asylsozialberatung“ (SZ vom 2./3. 11.2013, R13)?
    Und warum erinnert ihr auch noch an die NSU-Morde, die Lage der Arbeiter im Einzelhandel oder bei Opel in Bochum? Weil ihr Antworten wisst? Gehören NSU-Morde auch zur kapitalistischen Krise? Oder wollt ihr einfach auch nur Antifaschisten ködern?
    In den Schriften des Klassikers des Kommunismus, Trotzki, wollt ihr gar noch „die Antwort“ gefunden haben? Universal? Themenübergreifend? Das kann nur die „endlich gefundene, richtige“ Methode sein! Denn Antworten auf alle die Fragen, die ihr implizit angerissen habt, würden ganz viele verschiedene Erklärungen erfordern. Dazu wären Studien nötig – wie z.B. die des „Kapital“. Aber unseren gemeinsamen Studier- und Lesekreis habt ihr ja abgebrochen mit der Begründung, dass euch das Studium der wissenschaftlichen Erklärung des Kapitalismus zeitlich von dem abhält, was ihr machen wollt. Das wird wohl stimmen. Schluss: ihr wollt gegen den Kapitalismus kämpfen ganz ohne seine wissenschaftliche Erklärung. Die Erfahrungen des alten Trotzki sollen reichen?
    „Wir wollen diskutieren, welche Schlüsse wir heute aus diesen lehrreichen Erfahrungen ziehen können. Zur offenen Schulung, die sich mit dieser Frage befasst, laden wir dich herzlich ein. Vorbereitung und Anmeldung nicht nötig.“ (Einladungs-Flyer des AK Gewerkschaften zur Trotzki-Schulung, Nov. 2013, München)
    Auf lehrreiche Erfahrungen des Klassikers, der damals wirklich eine Revolution (mit) gemacht hat, wollt ihr euch beziehen. Es soll nicht bestritten sein, dass man auch aus den Erfahrungen anderer viel lernen kann. Und man muss nicht jede schlechte Erfahrung selbst gemacht haben, um daraus klug zu werden. Darüber nachdenken kann nützen. Aber: Wenn Trotzki einen
    „Widerspruch zwischen der Reife der objektiven Bedingungen der Revolution und der Unreife des Proletariats und seiner Vorhut“ (Trotzki)
    diagnostiziert, dann leistet er sich jedoch einen Fehler in der Beurteilung des Kapitalismus und im Kampf gegen ihn: Es gibt keine objektiven Bedingungen der Revolution!
    Wenn man dabei denkt: Die Zustände, die sich die Leute bieten lassen, schreien nach ihrer Abschaffung, dann liegen die Bedingungen seit mehr als 150 Jahren vor. Auch, wenn sich die Lebensverhältnisse seitdem sehr verändert haben. Und wenn man bei der Unreife der Arbeiter und euch selbst, die ihr dessen Vorhut sein wollt, daran denkt, dass die und ihr noch nicht überzeugt genug seid, zu wollen was man sollte, kann das zutreffen. Aber auch das ist nicht neu. Es gab schon zu den Zeiten des Frühkapitalismus genau das Phänomen, dass die Menschen, die sich unterordnen und knechten lassen und ihre Lebensbedingungen zerstören lassen, nicht automatisch daraus den Schluss ziehen, sich diese Verhältnisse nicht mehr bieten zu lassen. Warum ihre „subjektiven und ihre objektiven Interessen auseinanderfallen“ – wie Trotzki-Schüler das formulieren, dafür hat Karl Marx die Erklärung wissenschaftlich fundiert aufgeschrieben: sie irren sich über den Mittelcharakter der Mittel, die sie haben. Das hat rein gar nichts mit Unreife zu tun, so als müssten sie nur lange genug am Baum hängen, bis sie abfallen.
    Wer nun zu dem Schluss kommt, doch wieder „Das Kapital“ studieren so wollen, der ist auf dem Lesekreis donnerstags in der StuVe, 19:00 willkommen.

  2. Diese Ankündigung gibt einige Rätsel auf:

    Wofür benötigt man ein Werkzeug:
    Wenn man ein Werkzeug anpreist, dann ist schon ein Zweck, den es jetzt (gemeinsam) zu erreichen gilt. Richtet sich das Flugblatt also an Gegner hiesiger Verhältnisse, die aus irgend einem Grund noch nichts von Trotzki gehört haben und jetzt wird diese Wissenslücke geschlossen? Dann sind das aber ziemlich wenige Adressaten und was machen die eigentlich bisher – ohne Trotzki – falsch? Oder richtet sich das ganze an die „Minimalforderer“, aber warum sollen sich die davon beeindrucken lassen, dass es jemand lieber anders machen möchte – z.B. mit Maximal- statt Minimalforderungen. Da müsste man schon noch ein Argument dazu sagen, um so jemand von seinem Programm abzubringen.

    Was hat es eigentlich mit Minimalforderungen so auf sich:
    Dabei ist die Wiedergabe der „Zustände“ im Flugblatt schon eine interessierte Beschreibung (also eine Interpretation) von einem Standpunkt aus: Mehrfach ist von Rechten die Rede, die sich z.B. Staaten zu unrecht anmaßen oder auch armen Opfern verweigern. Wenn man die Welt so betrachtet (und es ist eine Betrachtung, denn in der Wiege liegen diese Rechte nicht, wenn ein Mensch auf die Welt kommt, dieses Geschenk steuern schon die Staaten bei), dann ist der Weg auch nicht weit, zu dem was mit „Minimalforderungen stellen“ angeprangert wird, nämlich dem Einklagen von Rechten. Damit wird nämlich ganz bestimmt nicht der Kapitalismus (die Rede von der „objektive Lage“ meint ja vermutlich eben den) überwunden, sondern man richtet sich an die Staaten – die Rechte nun mal gewähren – als den Wächtern über die Klassengesellschaft. In den vorgeführten Urteilen ist die Differenz zu den Minimalforderern also gar nicht erkennbar, lediglich die Konsequenz soll dann aber eine ganz andere sein, dies ist ein klassischer Fall von Wunschdenken.

    Trotzkis Harmonielehre?
    „System von Erfahrungen und Forderungen“: Wie gehören Erfahrungen und Forderungen eigentlich zusammen, was erfährt man darüber: „Es gibt Problemen in unserem Zeitalter“: Wer hat da welche Probleme (Staaten, Menschen, Völker, Klassen), wer soll sie überwinden und warum soll diese Überwindung „im Einklang“ mit dem Bewusstsein von „Menschen“ (welche sind da wieder gemeint?) stehen: Wenn da irgendwer irgendetwas überwindet, dann nimmt er ja wohl etwas in die eigenen Hände – wird also aktiv – und so wie die Dinge liegen, hat das mit Einklang (also Harmonie) sicher nichts zu tun, sondern viel eher mit Umsturz und Revolution.
    Und das soll aus einem System von Erfahrungen folgen? Dazu braucht es außer schlechten Erfahrungen schon auch Schlüsse die man daraus zieht: Hatte da Trotzki nichts zu bieten, oder warum wird da nichts genannt? Soll man das heute nachholen und warum soll man dann ausgerechnet aus alten Erfahrungen Schlüsse ziehen und nicht aus dem, was man heute so vor sich hat (wird ja oben einiges benannt)? Und wenn man dann seine Schlüsse gezogen hat, wieso gibt es dann genau die eine Konsequenz: „Forderungen stellen“?

    Was soll der Pathos?
    Und warum bedroht die Prekarisierung im Einzelhandel oder eine Werksschließung bei Opel gleich „große Teile der Lohnabhängigen“: Können die dann nicht mehr einkaufen oder in Ruhe mit ihrem Opel durch die Gegend fahren? Ein unvoreingenommener Leser wird bei derartigen Übertreibungen nur den Kopf schütteln:

    Das ganze Flugblatt ist nicht einfach eine Aneinanderreihung logischer Schnitzer sondern ein einziges Rätsel: Wer außer denen, die heute schon so verquer denken, wie in dieser Ankündigung vorgeführt, soll sich von so etwas angesprochen fühlen?

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